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21. November 2014 / 28. Muharrem 1436 - Muhasebe

21. November 2014 / 28. Muharrem 1436 - Muhasebe

Liebe Brüder im Islam,

in meiner Hutbe spreche ich heute über die Bedeutung sich selbst gegenüber Rechenschaft abzulegen und wie das zu machen ist.

Wie ihr alle wisst gibt es nach islamischem Verständnis zwei verschiedene Lebewesen denen Allahü Teâlâ Mündigkeit zugesprochen hat. Als Konsequenz daraus hat Er ihnen Aufgaben gegeben, ihnen mitgeteilt was richtig und was falsch ist und ihnen die Cennet versprochen, wenn sie den richtigen Weg einschlagen, andererseits aber kundgetan sie in die Cehennem zu schicken, wenn sie den falschen Weg wählen. Diese Lebewesen sind die Menschen und die Dschinnis. Der Grund für ihre Tekellüf, also ihre Mündigkeit ist die Tatsache, dass ihnen Akıl und Irâde-i Cüz'iyye, das heißt Vernunft und freie Willensentscheidung gegeben wurde. Lebewesen, die diese beiden Komponenten nicht bei sich vereinigen können sind nach dem Verständnis der muslimischen Gelehrsamkeit nicht mükellef, das heißt nicht mündig und nicht zur Rechenschaft bei Allâh verpflichtet.

Nur aufgrund von Akıl und Irâde-i Cüz'iyye haben Menschen und Dschinnis die Fähigkeit zwischen falsch und richtig oder zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Mit dieser Fähigkeit Entscheidungen treffen zu können ist ihnen gleichzeitig die sogenannte Istitâat, also die Kraft gegeben worden das Richtige oder das Falsche auch auszuführen. Diese Kraft ist in beiden Fällen gleich stark, will heißen die Kraft das nach islamischem Verständnis Richtige zu tun ist nicht stärker verankert als die Kraft das Falsche zu tun. Das bedeutet der Mensch kann mit Akıl und Irâde das Gute wählen, es in die Tat umsetzen und als Konsequenz davon in die Cennet gelangen oder wenn er will sich für das Schlechte entscheiden, dies in die Tat umsetzen und dafür die ewige Bestrafung, die Cehennem bekommen. Entscheidungsgrundlage für gut und schlecht sind die Kitâb, die Offenbarungsschriften einerseits und die Gesandten Allâhs andererseits.

Diese Erkenntnis verlangt von jedem vernunftveranlagten und bewusst lebenden Menschen seinen Weg in dieser Welt, in die wir zur Prüfung gesandt sind, zu hinterfragen, von Zeit zu Zeit sich die Frage zu stellen “Bin ich noch auf dem richtigen Wege oder stecke ich schon fest im Sumpf des Alltags?” Diese intensive Reflexion nennen wir im Arabischen und auch im Türkischen Tefekkür. Nach solchen Tefekkürs sollte der Mensch bei sich selbst eine Spureinstellung machen und wieder den Weg zu Îmân und Ameli Sâlih finden, also zu einer Lebensweise zurück, die Allâhu Teâlâs Rızâ anzieht.

All das zusammen bezeichnen die muslimischen Gelehrten als “Muhasebe”. Muhasebe bedeutet ungefähr Rechenschaft ablegen. Andere können von einem Rechenschaft verlangen, man kann aber auch sich selbst zur Rechenschaft ziehen. So sprechen wir davon, dass ein Mensch vernünftig ist, wenn dieser es schafft, sich selbst und seine Taten zu hinterfragen und konsequent sein Leben danach zu organisieren, noch bevor er in der Kıyâmet  Rechenschaft ablegen muss. 

In diesem Zusammenhang heißt es in der Sûre-i Haşr in den Âyets 18 bis 20: "O die ihr den Îmân verinnerlicht habt, hütet euch vor Ungehorsam gegenüber Allâh! Ein jeder soll danach schauen was er für das morgige Leben vorbereitet hat. Ohne Zweifel hat Allâh Kunde über das was ihr tut. Und seid nicht wie diejenigen, die Allâh vergessen haben und die ER deswegen sich selbst vergessen ließ. Das sind jene die wahrhaft vom richtigen Weg abgekommen sind. Nicht gleich sind die Gefährten der Cehennem und die Gefährten der Cennet. Die Gefährten der Cennet sind jene deren Hoffnungen und Wünsche erfüllt werden.”

Rasûlullâh (s.a.v.) spricht in einem Hadis-i Şerif: "Ein Mensch mit Akıl (das heisst mit Vernunft) ist jemand, der sich selbst (und seine Taten) hinterfragt und der für das Leben nach dem Tode arbeitet." (Sünen-i Tirmizî,cild 4, s.638)  Der zweite Kalîf, der Gebieter der Gläubigen Hazret-i Ömer (r.a.) sprach einst: "Hinterfragt euch selbst noch bevor ihr zur Rechenschaft gezogen werdet. Wägt jetzt schon eure Taten und Handlungen ab, noch bevor sie (in der Kıyâmet) abgewogen werden." (İbn-i Kesir Tefsiri, cild 1, s.47)

Der große Gelehrte und Sûfimeister İmam-ı Rabbani Ahmed-i Fârukiyyi Serhendi (k.s.) Hazretleri behandelt dieses Thema in seinen “Mektubat-ı Şerife” unter der Überschrift "Muhasebe am Tage und in der Nacht" mit folgenden Worten: "Eine Gruppe unter den großen Gelehrten der Muslime hat sich den Weg der Muhasebe angeeignet und hat deswegen jeden Abend vor dem Schlafengehen ihre Taten, ihre Worte und ihre Handlungen an diesem Tag bis ins letzte Detail thematisiert und hinterfragt. Als Konsequenz dieser Hinterfragung haben sie ihrer Fehler wegen bei Allâh um Vergebung gebeten und mit Tazarru’ und Ilticâ versucht ihre Fehler wieder auszugleichen. Darüber hinaus haben sie Allâh mit Hamd und Şükür für jede sâlih Amel gedankt, die Allâhs Rızâ und Wohlwollen anziehen. Trotzdem haben sie ihre Hinwendung zu all jenen islamisch wertvollen Taten und Handlungen und die Kraft diese ausführen zu können auf Allâhü Teâlâ zurückgeführt und den daraus entstandenen Erfolg wiederum an Allâhs Allmacht verwiesen.  So sprach einst Muhyiddin-i A'râbi (k.s.) Hazretleri: “Die Muhasebe nehme ich sehr ernst und hinterfrage sogar meine Absichten, Vorsätze und Gedanken” und gab für uns eine Richtschnur wieweit dieses Hinterfragen sogar gehen sollte."

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KRM - Pressemitteilungen

Den gesellschaftlichen Zusammenhalt mit aller Kraft befördern

Vertreterinnen und Vertreter der EKD und des KRM trafen sich zu Konsultationen in Wittenberg
Köln, 05.07.2017: Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Koordinationsrates der Muslime (KRM) haben sich am Dienstag (4. Juli) zu ihren jährlichen Konsultationen erstmals in Wittenberg getroffen. Der Ort wurde im Jahr des 500. Reformationsjubiläums auch als gemeinsames Zeichen für ein friedliches Miteinander der Religionen gewählt. Der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete den Religionsdialog mit dem Islam als wichtigen Teil einer „Lerngeschichte der Reformation“, die vor 500 Jahren von Wittenberg aus ihren Anfang nahm. „Freiheit bedeute immer auch die Freiheit der Andersglaubenden“, so Bedford-Strohm. Es gehöre zu den christlichen Einsichten, dieses Ja zur religiösen Vielfalt auch klar auszusprechen und zu vertreten. Der Sprecher des KRM, Aiman Mazyek, bedankte sich für die Einladung und gratulierte zum Jubiläum. „Eine solche Begegnung von christlichen und muslimischen Repräsentanten wäre vor 500 Jahren an diesem Ort noch unvorstellbar gewesen“, erinnerte Mazyek.

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