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Hayâ, Schamgefühl und Sittlichkeit - 22. November 2019/25. Rebîulewwel 1441

Hochgeschätzte Muslime!

 

Bei Menschen, die in ihren Herzen den Îmân pflegen, entfalten sich viele Tugenden und positive Eigenschaften. Wenn der Îmân dazu noch Konstanz gewinnt und sich vollständig im Herzen einnistet, blühen die Tugenden beim Menschen auf und führen ihn auf den Weg der Vollkommenheit. Eine dieser Blumen im prachtvollen Blumenmeer des Islams ist die Rose mit dem Namen Hayâ - eine wunderbare Blume von tugendhaftem Schamgefühl, wie es sie nur noch in  Herzen voller Îmân und Liebe gibt. Die deutsche Sprache hat leider weder eine direkte noch eine indirekte Entsprechung für Hayâ, aber man kann diese Eigenschaft mit Worten wie würdevolle und edle Zurückhaltung, Zierde und islamisch verstandenes Schamgefühl umschreiben. In der Fachsprache der muslimischen Gelehrten wird Hayâ beim Menschen als edle  Reue, als würdevolle Haltung und Selbstbeherrschung und als Fernhalten von etwas, um deswegen nicht gerügt oder getadelt zu werden, beschrieben.

 

Liebe Muslime,

die größte und wichtigste Hayâ ist ohne Zweifel die Hayâ vor Allâh (c.c.). Zu den vordringlichsten Aufgaben eines Muslims gehört es daher unser Herz, welches das Blick-Zentrum von Allâh Züldschelâl ist, freizuhalten von Überzeugungen, die den Prinzipien des Islam entgegenstehen, unseren Verstand nicht für boshafte und menschenverachtende Dinge zu benutzen, darüber hinaus uns davor zu schämen, schlechte Dinge zu tun.  Rasûlullâh (s.a.w.), der Wegweiser der Menschen und der letzte der Gesandten spricht in einem Hadîs-i Scherîf: „Praktiziert Hayâ vor Allâh, wie es sich gehört! Denn so wie Allâh (c.c.) euren Lebensunterhalt unter euch austeilt, so verteilt Er auch die Charaktereigenschaften unter euch. Ich empfehle Dir Hayâ vor Allâh zu praktizieren, (mindestens) genauso wie du dich in Gegenwart eines Mannes, der zu den Guten unter deinem Volk gehört, schämst und dich zurückhältst.“  

In der am Anfang meiner Hutbe vorgetragenen Âyet-i Kerîme spricht Allâh Teâlâ Seinen über alles geliebten Gesandten (s.a.w.) mit diesen Worten an: „Wahrlich, du bist von edlem Charakter .“

In der Geschichte der Muslime gibt es zuhauf Menschen, die die Hayâ wahrhaftig praktizierten. Ebû Mûsâ el-Eschârî (r.a.), ein Sahabi, sagte einst: „Auch wenn ich in einem dunklen Raum meine Ghusl, meine Ganzkörperwaschung vollziehe, so kann ich, wegen meiner Scham vor Allâh, nicht geradestehen.“

Oder Hz. Ebû Bekir (r.a), der, wenn er auf die Toilette ging, wegen seiner Hayâ vor Allâh, seinen Rücken an die Wand lehnte und mit seinem Kleid seinen Kopf und sein Gesicht bedeckte.

Verehrte Muslime!

Wenn wir bei uns selbst feststellen wollen, ob und wie stark bei uns Hayâ vorhanden oder ausgeprägt ist, sollten wir auf folgende Dinge schauen: Wenn jemand irgendetwas ungebührliches oder gar schlimmes anstellen will und dabei nicht das Gefühl verspürt, diese Tat wenigstens nicht vor den Augen anderer Leute zu tun; wenn jemand das Schweigen dem nutzlosen Gerede nicht vorzieht und wenn jemand Schamlosigkeiten von anderen Menschen sich nicht unwohl fühlt, dann sind wir meilenweit entfernt vom islamisch definierten Schamgefühl oder eben Hayâ. Für denjenigen gibt es nur ein islamisches Rezept, nämlich die tägliche Einnahme des Kelime-i Tevhid-Saftes, d.h. Vergegenwärtigung der Erinnerung an die  Einheit Allah Tealas und zudem das regelmäßige Schlucken der Tefekkür-Tablette, also das Nachdenken und Reflektieren. Auch ist dazu noch empfehlenswert, Ehrfurcht vor Allâh zu praktizieren und Umgang mit Menschen zu pflegen, die Hayâ vor Allâh leben.

 

Hayâ, Liebe Muslime,  ist derart scheu, dass sie sich zuerst am Eingang des menschlichen Herzens umsieht und dort nach ihren Freunden Zühd und Takvâ, Frömmigkeit und Ehrfurcht, sucht. Findet sie diese beiden Eigenschaften, klopft sie an und bittet um Erlaubnis eintreten zu dürfen. Findet sie diese nicht, entfernt sie sich rasch von diesem Menschen. Wenn sie sich entfernt, fängt der Mensch an - im übertragenen Sinne - übel zu riechen und zu Grunde zu gehen, wie ein Körper ohne Rûh. Ehrfurcht vor Allâh und Hayâ ist die größte Ilm, die größte Weisheit und Erkenntnis. Wenn diese beiden Eigenschaften die Seele verlassen, verbleibt bei einem Menschen keine Hayr, also nichts mehr Gutes. Denn wie heißt es im Hadîs-i Scherîf: „Hayâ ist eine Zweigstelle des Îmân.  Wer kein Schamgefühl besitzt bei dem gibt es auch keinen Îmân(-ı Kâmil), keinen vollkommenen Glauben.“

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KRM - Pressemitteilungen

Zusammenstehen gegen Rassismus/ Spitzengespräch zwischen Koordinationsrat der Muslime und der EKD

Köln, 11.06.2020: Mit einem stillen Gebet für die Opfer von Rassismus und Hass ging heute das Spitzengespräch zwischen Vertreterinnen und Vertretern des Koordinationsrates der Muslime (KRM) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Ende. Das Treffen fand aufgrund der Corona-Pandemie per Videokonferenz statt. Die jüngsten Proteste gegen Rassismus wurden als Teil einer größeren Anti-Rassismus-Debatte begrüßt, die dringend notwendig sei.

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