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Ergänzende Stellungnahme des VIKZ zur DIK 2

Ergänzende Stellungnahme des VIKZ zum künftigen Arbeitsprogramm der Deutschen Islam Konferenz


17. Mai 2010
Relevante Schwerpunkte und korrekte Begrifflichkeiten
Der VIKZ mahnt repräsentativere Schwerpunkte und einen sorgsameren Umgang mit Begrifflichkeiten an, damit die gesellschaftliche Integration gefördert und der Angst vor dem Islam in Deutschland nicht Vorschub geleistet wird.


„Die Deutsche Islam Konferenz (DIK) als Forum für den Dialog zwischen Staat und Muslimen dient den Zielen, die institutionelle Integration des Islams und die gesellschaftliche Integration der rund 4 Millionen Muslime in Deutschland zu verbessern sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land zu stärken. “ Diesen im Juni 2009 verabschiedeten Zielen der DIK ist der Verband der Islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ) uneingeschränkt verpflichtet. Der VIKZ setzt auf den Erfolg der Islamkonferenz. Wir glauben, dass wir nur über den Dialog zu einer erfolgreichen Integration kommen.


Schon im Rahmen der DIK 1 haben sich alle Akteure auf ein gemeinsames Verständnis von Integration geeinigt: „Integration als Prozess verändert grundsätzlich beide Seiten, die Mehrheitsgesellschaft wie auch die Zuwanderer. Sie verlangt dabei den Zuwanderern ein höheres Maß an Anpassung ab. Staat und Gesellschaft sind aufgerufen, Zuwanderer zu unterstützen, Teil der deutschen Gesellschaft zu sein, von ihr entsprechend anerkannt und als bereichernd empfunden zu werden.“


Aus Sicht des VIKZ stellt dies die wesentliche Kernaufgabe der DIK dar. Diese Integrationsdefinition sollte das Maß sein, mit dem das Arbeitsprogramm der DIK ausgewählt und bewertet wird. Allerdings kann diese Bewertung nur durch empirisch haltbare Aussagen stattfinden und nicht durch die Wiederholung von Meinungen und Vorurteilen. Die Punkte I und II des Programms sehen wir als ausgewogen an. Jedoch kritisieren wir die Schwerpunktsetzung auf gesellschaftliche Randthemen und vorgefertigte Werturteile in den Punkten III und IV des Arbeitsprogramms der DIK.


So kritisieren wir im Einzelnen Aussagen des Programms wie unter Punkt III „Geschlechtergerechtigkeit als gemeinsamen Wert Leben“:


„Zum anderen geht es um Rollenbilder und vorgefasste Erwartungen, die zwar in vielen Fällen nicht spezifisch islamisch, sondern patriarchalisch geprägt sind, aber religiös oder durch vermeintlich islamische Traditionen begründet und gerechtfertigt werden.“


Im Rahmen dieses wichtigen Arbeitspaketes nimmt der Text schon eine explizite Bewertung vorweg: In den islamischen Migrantenfamilien herrsche ein anderes Rollenbild vor als in der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland. Gibt es für diese Aussage eine empirische Grundlage? Oder werden hier nur Klischees oder Vorurteile wiederholt? In den letzten Jahren hat es verschiedene Studien über Lebenswelten von Migranten und Migrantinnen gegeben. Schon die im Jahr 2007 durchgeführte Sinus-Studie „Migrantenmilieus, qualitative Untersuchung der Lebenswelten von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland“ belegt, dass Zuwanderergruppen nicht homogen sind. Vielmehr sind Schichten und Milieus nach Lebenseinstellungen, Bildungsgraden und Interessen zu unterscheiden. Dabei weisen die Zuordnungen dieser Studie deutliche Ähnlichkeiten mit den Milieus der deutschen Mehrheitsgesellschaft insgesamt auf. Kulturelle Hintergründe und Wertevorstellungen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Nur empirisch haltbare Ergebnisse würden die oben genannten Aussagen rechtfertigen. Hierfür ist in der DIK 2 eine Fachanalyse erforderlich.


Erneut thematisiert die DIK 2 prominent das Thema Zwangsheirat. Schon in der DIK 1 haben alle Teilnehmer klargestellt, dass dieses Phänomen nicht durch den Islam gerechtfertigt werden kann und absolut inakzeptabel ist. Wir sind uns mit allen Teilnehmern der DIK einig, dass wir entschieden gegen Zwangsheirat vorgehen und Betroffenen Hilfestellung bieten müssen. Doch ist dieses Phänomen eine Randerscheinung bei den muslimischen Migranten in Deutschland. So weist die Duisburger Sozialwissenschaftlerin Frau Prof. Ursula Boos-Nünning zu Recht in ihren Untersuchungen darauf hin:


„Auffällig ist, dass die Diskussion nicht zwischen einer mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Eltern der beiden Heiratskandidaten geschlossenen Ehe (familiär erwünschte Ehe), der arrangierten Ehe, die mit Einverständnis der beiden Ehekandidaten durch Verwandte oder Bekannte gestiftet wird (arrangierte Ehe) und der aufgrund von psychischem oder physischem Druck durch die Familie bzw. einzelner Familienangehöriger gegen den ausdrücklichen Willen des Mädchens erzwungenen Eheschließung (Zwangsheirat) trennt. Die fehlende Differenzierung wird der Lebensrealität und den Orientierungen von Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund nicht gerecht ... und es finden unzulässige Verallgemeinerungen statt.“
(Quelle: Trans Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften, März 2006)


Es sollte Aufgabe der DIK sein, sich differenziert im Arbeitsprogramm unter Punkt III diesem Thema zu nähern und nicht Vorurteile zu vertiefen. Um was geht es dem VIKZ? Wir dürfen an dieser Stelle die Studie „Muslime in Deutschland MLD 2008“ des Bundesinnenministeriums und der DIK zitieren:


„So zeigt sich zum Beispiel, dass die in der Integrationsdebatte häufig erwähnten Themen wie das Fernbleiben vom gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht keine Massenphänomene sind, sondern eine Minderheit betreffen. Sie sollten daher nicht dramatisiert werden.“


Um die Integration der rund 4 Millionen Muslime in Deutschland voranzubringen, sollte die DIK sich verstärkt wesentlichen Schwerpunkten widmen, die die große Mehrheit der muslimischen Menschen und die Mehrheitsgesellschaft betreffen. So empfinden immer mehr Deutsche Angst vor Muslimen. Gleichzeitig ist Islamfeindlichkeit ein wachsendes Phänomen in Deutschland und Europa, das verstärkt zu verbalen und in Ausnahmenfällen gewalttätigen Angriffen gegenüber Muslimen und Musliminnen führt. Hier ist die DIK gefragt, aufzuklären und gegenzusteuern. Wir sind der Überzeugung, dass die DIK im Angesicht ihrer Zielsetzung die Gewichtung der einzelnen Punkte in den Arbeitspaketen und die verwendete Begrifflichkeiten überprüfen muss. Dazu möchten wir alle Teilnehmer der DIK explizit anhalten.


Wir sind der Überzeugung, dass die DIK wesentliche Impulse für die Integration der Muslime in Deutschland geben kann. Wir werden intensiv mitarbeiten, um die zweite Runde der DIK zu einem Erfolg zu führen.

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KRM - Pressemitteilungen

Den gesellschaftlichen Zusammenhalt mit aller Kraft befördern

Vertreterinnen und Vertreter der EKD und des KRM trafen sich zu Konsultationen in Wittenberg
Köln, 05.07.2017: Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Koordinationsrates der Muslime (KRM) haben sich am Dienstag (4. Juli) zu ihren jährlichen Konsultationen erstmals in Wittenberg getroffen. Der Ort wurde im Jahr des 500. Reformationsjubiläums auch als gemeinsames Zeichen für ein friedliches Miteinander der Religionen gewählt. Der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete den Religionsdialog mit dem Islam als wichtigen Teil einer „Lerngeschichte der Reformation“, die vor 500 Jahren von Wittenberg aus ihren Anfang nahm. „Freiheit bedeute immer auch die Freiheit der Andersglaubenden“, so Bedford-Strohm. Es gehöre zu den christlichen Einsichten, dieses Ja zur religiösen Vielfalt auch klar auszusprechen und zu vertreten. Der Sprecher des KRM, Aiman Mazyek, bedankte sich für die Einladung und gratulierte zum Jubiläum. „Eine solche Begegnung von christlichen und muslimischen Repräsentanten wäre vor 500 Jahren an diesem Ort noch unvorstellbar gewesen“, erinnerte Mazyek.

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