KoelnerStadtAnzeiger 02.08.1996
Neben der Villa
soll eine Moschee
entstehen

Islamischer "Verband der Kulturzentren"
kaufte die denkmalgeschützte Hahnenburg
 


Von Miriam Diefenbach 


Buchheim - Arabische Baukunst und Berliner Klassizismus - diese beiden Stile könnten sich schon in bald in Buchheim vereinen. Für 2,5 Millionen Mark hat der "Verband der Islamischen Kulturzentren e.V." die Villa Hahnenburg an der Bergisch Gladbacher Straße gekauft. Das denkmalgeschützte Haus aus dem 19. Jahrhundert war vorher im Besitz der Stadtsparkasse Mülheim an der Ruhr, die die Villa bei einer Zwangsversteigerung erworben hatte.

Architektonisch wertvoll



"Wir stehen den neuen Besitzern positiv gegenüber und gehen davon aus, daß der islamische Verin sämtliche "Denkmalauflagen einhalten wird", erläuterte der Stadtkonservator Dr. Ulrich Krings, der die Villa im Neo-Rennaisance-Stil für eine der architektonisch wertvollsten in Köln hält. Bauliche Veränderungen an dem Haus müßten mit der Denkmalbehörde abgestimmt werden, so Krings.

"Genaue Pläne für die Nutzung des Hauses haben wir noch nicht", so Ibrahim Cavdar, Generalsekretär des Verbandes. Die nach dem Vorbild des Berliner Klassizismus erbaute Villa soll eventuell als Wohnheim für islamische Studenten genutzt werden. Der islamische Verband denkt aber auch darüber nach, in dem Haus Büroräume einzurichten wie Cavdar mitteilte.

Zunächst aber stehe die Renovierung des Hauses im Mittelpunkt, erst danach könnten konkrete Pläne entwickelt werden. Schon jetzt haben die Muslime damit begonnen, den Stuck im Inneren des Geäudes restaurieren zu lassen. Außerdem sollen die Außenwände, die wegen Feuchtigkeit stark beschädigt sind, neu verputzt werden. Des weiteren muß das Dach repariert werden, durch 

das Regenwasser eindringt. Cav- adar: "Wir werden aber vorher mit der Denkmalbehörde Rücksprache halten." Gearbeitet wird derzeit auch im park. Einige der Bäume müßten beschnitten werden, so der Generalsekretär.

"Es ist uns ein großes Anliegen, daß der Park mit seinem wertvollen Baumbestand in der jetzigen Form erhalten bleibt", betonte Stadtkonservator Krings. Bisher steht der Garten nocht nicht unter Denkmalschutz. Krings hatte sich dafür zwar bereits vor Jahren eingesetzt, die ehemaligen Eigentümer des Hauses  hatten dagegen aber Widerspruch eingelegt. Diesen Widerspruch wird auch der islamische Verband aufrechterhalten. "Wir möchten gerne in einem Teil des Gartens ein zusätzliches Gebäude errichten", sagte der Generalsekretär. "Wir lassen aber derzeit einen Gutachter prüfen, welche Bäume als erhaltungswürdig gelten".

Der Verein plant innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre, im Garten ein Kulturzentrum oder eine Moschee zu errichten. Bauskizzen dafür liegen schon vor. "Wir werden die Moschee dem Stil der Villa anpassen", erläuterte Ibrahim Cavdar.

Ähnlicher Stil



Arabische Baukunst mmit deutscher Architektur zu kombinieren, darin sind die Muslime schon geübt. Bereits 1988 hat der Verband an der Vogelsanger Straße eine moderne Moschee errichtet. In einem ähnlichen Stil ist auch das Gebetshaus in Buchheim geplant. Den Ausschlag für den Kauf des Gebäudes habe vor allem der Standort Bergisch Gladbacher Straße gegeben. "In Buchheim und Mülheim leben sehr viele Muslime, deshalb ist hier der Bedarf für ein Kulturzentrum groß", sagte Cavdar.
 

 
 
 
 
 
 



Kölner Stadt-Anzeiger - Nr. 178 - Freitag, 2. August 1996 - 13 ***



1872 hatte ein Kölner Brauereibesitzer die Villa Hahnenburg erbauen lassen, die aber jetzt der islamische Verband gekauft hat. (Bild: mir)