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MUHASEBE (RECHENSCHAFT) - 21. August 2020/02. Muharram 1442

Liebe Muslime,

gestern sind wir in das neue Jahr nach dem islamischen Hidschra-Kalender 1442 gestartet. Wir haben ein Jahr hinter uns gelassen. Dies sollten wir zum Anlaß nehmen, um über unseren Zustand nachzudenken und uns selbst gegenüber Rechenschaft abzulegen.

Wie ihr alle wisst, gibt es nach islamischem Verständnis zwei wesentliche Lebensformen, denen Allah Teâlâ Mündigkeit und Verantwortung zugesprochen hat. Als Konsequenz daraus hat ER ihnen Aufgaben gegeben und ihnen mitgeteilt, was richtig und was falsch ist und ihnen die Dschennet versprochen, wenn sie den richtigen Weg einschlagen und sie in die Dschehennem zu schicken, wenn sie den falschen Weg wählen. Diese beiden Lebensformen sind die Menschen und die Dschinn. Der Grund für ihre Tekellüf, also ihre Mündigkeit ist die Tatsache, dass ihnen Aql und Irâde-i Dschüz'iyye, das heißt Vernunft und freie Willensentscheidung gegeben wurde. Lebensformen ohne diese beiden Komponenten sind nach dem Verständnis der muslimischen Gelehrsamkeit nicht mükellef, das heißt nicht mündig und daher auch nicht zur Rechenschaft bei Allâh verpflichtet.

Nur aufgrund von Vernunft und freien Willensakt haben Menschen und Dschinn die Fähigkeit zwischen falsch und richtig oder zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Damit einhergehend ist ihnen gleichzeitig die sogenannte Istitâat, also die Kraft gegeben worden, das Richtige oder das Falsche auch auszuführen. Diese Kraft ist in beiden Fällen gleich stark.

Das bedeutet, der Mensch kann mit Vernunft und freiem Willensakt das Gute wählen, es in die Tat umsetzen und als Konsequenz davon in die Dschennet gelangen oder sich für das Schlechte, das Böse entscheiden, dies in die Tat umsetzen und dafür die ewige Bestrafung, die Dschehennem bekommen. Entscheidungsgrundlage für gut und schlecht ist das, was in den Kitâb, also den Offenbarungsschriften steht und das Vorbild der Auserwählten Allâhs, also der Propheten.

Diese Erkenntnis verlangt von jedem vernünftigen und bewusst lebenden Menschen seinen Weg in dieser Welt zu hinterfragen, von Zeit zu Zeit sich die Frage zu stellen “Bin ich noch auf dem richtigen Wege oder stecke ich schon fest im Sumpf des Alltags?” Diese intensive Reflexion nennen wir im Arabischen “Tefekkür”. Nach solchen Tefekkürs sollte der Mensch bei sich selbst eine Spureinstellung vornehmen und wieder den Weg zu Îmân und Ameli Sâlih finden, also zu einer Lebensweise zurück, die Allâh Teâlâs Wohlgefallen anzieht.

All das zusammen bezeichnen die muslimischen Gelehrten als “Muhasebe”. Muhasebe bedeutet ungefähr Rechenschaft ablegen. Man kann anderen Leuten Rechenschaft ablegen, man kann aber auch sich selbst zur Rechenschaft ziehen. So sprechen wir davon, dass ein Mensch vernünftig ist, wenn er es schafft, sich selbst und seine Taten zu hinterfragen und konsequent sein Leben danach zu organisieren, noch bevor er in der Kıyâmet, also im nächsten Leben zur Rechenschaft gezogen wird. 

In diesem Zusammenhang heißt es in der Sûre al-Haschr in den Âyets 18 bis 20: "O die ihr den Îmân verinnerlicht habt, fürchtet Allah! Und eine jede Seele schaue nach dem, was sie für morgen vorbereitet hat. Und fürchtet Allah. Allah weiß genau, was ihr tut. Und seid nicht gleich jenen, die Allah vergaßen und die Er darum ihre eigenen Seelen vergessen ließ. Das sind die Übertreter.  Die Bewohner des Dschehennem gleichen nicht den Bewohnern der Dschennet. Die Bewohner der Dschennet sind die Gewinner.”

Rasûlullâh (s.a.w.) spricht in einem Hadis-i Scherif: "Ein Mensch mit Aql, ein vernünftiger Mensch,  ist jemand, der sich selbst (und seine Taten) hinterfragt und der für das Leben nach dem Tode arbeitet." (Sünen-i Tirmizî,cild 4, s.638) 

Der zweite Kalîf, Emîr-al’Müminîn Hazret Omer (r.a.) sprach einst: "Legt euch selbst Rechenschaft ab, noch bevor ihr zur Rechenschaft gezogen werdet. Wägt jetzt schon eure Taten und Handlungen ab, noch bevor sie (in der Kıyâmet) abgewogen werden." (İbn-i Kesir Tefsiri, cild 1, s.47)

Hazret Imam Rabbani Ahmed al-Fâruk es-Serhendi (k.s.) behandelt dieses Thema in seinen “Mektubat-ı Scherife” unter der Überschrift "Muhasebe am Tage und in der Nacht" mit folgenden Worten: "Eine Gruppe unter den großen Gelehrten der Muslime hat sich den Weg der Muhasebe angeeignet und hat deswegen jeden Abend vor dem Schlafengehen ihre Taten, ihre Worte und ihre Handlungen bis ins letzte Detail in die Wagschale geworfen und hinterfragt. Als Konsequenz haben sie ihre Fehler und Verfehlungen gesehen, akzeptiert und dafür bei Allâh um Vergebung gebeten. Darüber hinaus haben sie in Demut und Zuflucht bei Allah versucht ihre Fehler wieder auszugleichen. Gleichzeitig haben sie Allâh für jede gute Tat, die Sein Wohlgefallen anzog, gedankt und in gepriesen.

 Trotzdem haben sie ihre Hinwendung zu all jenen islamisch wertvollen Taten und Handlungen und die Kraft diese ausführen zu können, auf Allâh Teâlâ zurückgeführt und den daraus entstandenen Erfolg wiederum an Allâhs Allmacht verwiesen.  So sprach einst Hazret Muhyiddin al-A'râbi (k.s.): “Die Muhasebe, die Rechenschaft nehme ich sehr ernst und hinterfrage sogar meine Absichten, Vorsätze und Gedanken.” und gab für uns eine Richtschnur wieweit dieses Hinterfragen sogar gehen sollte." (Mektubat-ı İmam-ı Rabbani, C. 1, Mektup 309)

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KRM - Pressemitteilungen

Spirale des Hasses mit Frieden durchbrechen

Spirale des Hasses mit Frieden durchbrechen CMFD zu den Anschlägen in Frankreich und Österreich Ein Mann betritt eine Kirche in Nizza, ruft „Gott ist groß“ und sticht dann wahllos auf andere Besucher dieses Gotteshauses ein, die er nie zuvor gesehen hat. Welche Blasphemie. Was muss ein Mensch erlebt haben, um so weit herunterzukommen, um so sehr Gott zu verkennen. Als Christliche-Muslimische Friedensinitiative in Deutschland (CMFD) sind wir zutiefst betroffen und trauern um die Opfer der Gewalt von Paris und Nizza und jüngst in Wien.

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